Wadi Mujib, Jordanien | Wildwasserwagnis

Wadi Rum und Wadi Mujib könnten nicht unterschiedlicher sein: Eine ewig weitläufige, feinsandige Wüstenlandschaft und ein enger, von Wassermassen durchfluteter Canyon. Man möchte meinen, nur das „Wadi“ im Namen eint sie – doch sie haben noch eine weitere, essentielle Sache gemeinsam: Sie gehören zu den schönsten Orten Jordaniens.

Verena wandert:

In Amman ist der Winter eingekehrt – es regnet seit über 24 Stunden durchgängig. Als ich nach dem heutigen Supermarktbesuch eher in meinen Schuhen schwamm als lief, erinnerte mich das Gefühl an unseren Besuch im unglaublichen Wadi Mujib – und da ich über diesen wundervolle Ausflug noch gar nicht auf dem Blog berichtet habe, möchte ich das hiermit nachholen!

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Zu neunt (acht Austauschstudentinnen und ein jordanischer Guide) fuhren wir Ende Oktober mit einem Kleinbus nach Wadi Mujib. Bereits der erste Blick in die Schlucht ließ erahnen, welch unreale Landschaft sich hinter den zahlreichen Felsknicken auftun sollte. Doch bevor wir diese erkunden konnten, mussten wir die ersten Schritte im recht kühlen Wasser hinter uns bringen. Der Sinn der Schwimmwesten, die wir im Visitor Centre angelegt hatten, erschloss sich uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht – schließlich reichte das Wasser gerade hoch genug, um die Unterseite unserer Socken zu kitzeln.

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Schon nach den ersten Abbiegungen wateten wir etwas schwerfälliger, aber immer noch genauso enthusiastisch durch das stetig ansteigende Wasser. Begeistert blickten wir immer wieder nach oben und um uns, und trauten unseren Augen kaum. Die steil aufragenden Felswände mit ihren holzartigen „Maserungen“ waren so schön, dass sie beinahe den Eindruck einer Filmkulisse erweckten. Der Wasserpfad schlug sich indes um zahlreiche Kurven und ließ uns über die ersten Felsen klettern.

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Nach kürzester Zeit war die Wasserkante vom Knöchel bis zum Bauch und wenig später bis zum Hals gestiegen (zumindest war dies bei mir und den Kleineren unserer Truppe der Fall). Wir hatten zum Teil stark mit der Strömung des inzwischen reißenden Flusses zu kämpfen und genossen doch jede Sekunde. Die Wanderung fühlte sich ein wenig wie ein Ausflug in einen natürlichen Wildwasserpark an und die Attraktionen schenkten uns ordentlich Adrenalin: Hier ein Seil, an dem man sich entlanghangeln musste, dort eine brüchige Leiter, die man erklimmen sollte, dann wieder ein rutschiger Fels, den man mithilfe eines Taus hinter sich lassen konnte. Dass dabei die Schienbeine und Knie zahlreiche Blessuren abbekamen, spielte in diesem Moment keine Rolle – zu sehr waren wir damit beschäftigt, uns voran zu kämpfen und gleichzeitig die atemberaubende Kulisse zu bestaunen.

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Ab einem gewissen Punkt wagten wir dann nicht mehr, das Handy aus seiner wasserdichten Hülle herauszuholen, da wir beide Hände brauchten, um gegen die Strömung anzukommen. Am Ende des Trails empfing uns ein prasselnder Wasserfall und ein kleiner Ruhepunkt, wo wir gierig unsere Wasserflaschen leerten. Erst dort merkten wir, dass sich eine unserer Freundinnen auf den letzten Metern unglücklich verletzt hatte, sodass wir nach einer recht kurzen Pause wieder in Richtung Visitor Centre aufbrachen. Zum Glück half unser Guide ihr an vielen Stellen, die kaum zu bewältigen schienen.

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Erst nahm ich an, dass der Rückweg im Gegensatz zum Hinweg ja ein Kinderspiel sein müsse – doch weit gefehlt. Da die Strömung nun mit uns unterwegs war, musste man sich einige Male konzentrieren, nicht von den Füßen gezogen zu werden – ich wurde sogar zweimal recht unelegant mitgerissen und war stellenweise regelrecht überfordert von der Kraft des Wassers. Gegen Ende nahm die Wasserhöhe und -stärke ab, sodass wir uns die letzten Metern ins Wasser legten und mit dem Blick nach oben treiben ließen.

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Insgesamt war Wadi Mujib einfach ein fantastisches Abenteuer – die wunderschöne Landschaft hat mich regelrecht verzaubert und die anspruchsvolle Wanderung war stellenweise zwar etwas aufregend, hat aber unendlich Spaß gemacht. Doch es waren vor allem die Kombination aus Farbe und Kraft des Wassers, Höhe und Schönheit der Felswände und das sich durch sie kämpfende Sonnenlicht, die mich sagen lässt: Wadi Mujib ist für mich – zusammen mit Wadi Rum – der schönste Ort Jordaniens.

Verena empfiehlt:

» Wadi Mujib ist aufgrund starker Regenfälle im jordanischen Herbst und Winter nur von Anfang April bis Ende Oktober zugänglich – alles andere wäre auch leichtsinnig. Wenn man diesen unglaublichen Ort also auf seiner Bucket List für Jordanien stehen hat (was ich natürlich empfehle!), sollte man den Reisezeitraum dahingehend anpassen.

» Dass es sich empfiehlt, Wechselklamotten mitzubringen, versteht sich hoffentlich von selbst. Zusätzlich sei geraten: Wer Handys oder kleinere Gegenstände mitnehmen möchte, sollte in Erwägung ziehen, sich einen wasserdichten Brustbeutel anzuschaffen. Denn man möchte nicht nur sichergehen, dass die elektronischen Geräte trocken bleiben – sie sollen auch gut untergebracht sein, da beide Hände zum Klettern gebraucht werden.

» Theoretisch ist der Weg auch ohne Guide begehbar, doch wir waren nicht nur am Ende froh, jemanden dabeizuhaben, der uns an der ein oder anderen Stellen die rettende Hand entgegenstreckte oder uns festhielt, wenn die Strömung zu heftig wurde.

» Der Eintrittspreis von knapp über 20 JD ist nicht außer Acht zu lassen – doch das Abenteuer ist es allemal wert!

 

Ich hoffe, euch mit diesem Blogbeitrag ein wenig Lust auf einen Besuch dieses einzigartigen Wadis gemacht zu haben! Habt ihr noch andere Empfehlungen für Orte in Jordanien, die möglicherweise in Reiseführern unterschätzt werden (so wie Wadi Mujib)? Bitte verratet sie mir in den Kommentaren 🙂

 

[Die Fotos stammen von meiner Freundin Friederike, die sie mit ihrem wasserdichten Handy gemacht hat – danke!]

[Reisezeitpunkt: Oktober 2016]

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