Totes Meer, Jordanien | Wie ein Korken im Wasser

Bereits zwei Tage nach meiner Ankunft in Jordanien habe ich mit drei deutschen Freundinnen den ersten Ausflug unternommen, und er führte uns schnurstracks ans Tote Meer. Doch was Entspannung bringen sollte, wurde eine verrückte Mischung aus Musikbeschallung und klebriger Haut.

Verena wandert:

Keine 48 Stunden hat es mich, meine Mitbewohnerinnen und eine Freundin aus Deutschland in Amman gehalten: Am Samstag nach meiner Ankunft entschlossen wir uns, die Zeit vor dem Studienbeginn zu nutzen und einen ersten Ausflug zu unternehmen. Schließlich, so dachten wir uns, wird uns der jordanische Lern-Alltag noch früh genug einholen und gefangen nehmen. Also kontaktierten wir einen Taxifahrer, der uns an den See bringen, dort warten und uns anschließend zurückkutschieren sollte – für insgesamt 40 Jordanische Dinar. Obwohl wir bereits früh gemerkt hatten, dass Taxifahrten hier sehr günstig sind, überraschte uns dieser niedrige Tagestarif. Für den Fahrer schien es sich jedoch zu lohnen und so zögerten wir nicht, die knapp einstündige Fahrt zu wagen.

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Der Ausblick unterwegs

Anfahrt mit Hindernissen

Auf unserem Hinweg lernten wir zwei wichtige Lektionen:

  1. Da das Tote Meer eine Grenzregion zu Israel darstellt, ist auf dem Weg vermehrt mit Polizeikontrollen zu rechnen. Konkret gesagt wurden wir auf der einstündigen Fahrt dreimal angehalten, darunter war auch eine vollständige Passkontrolle. Der Reisepass sollte bei einem Ausflug zum Toten Meer dementsprechend nicht im Hotel gelassen werden! Der Verweis auf die deutsche Nationalität kann zwar einen gewissen ‚Bonus‘ mit sich bringen, sollte aber nicht überreizt werden.
  2. Etwas, das wir zwar im Reiseführer gelesen hatten, aber erst vor Ort vollständig verstanden, war das Folgende: Das Tote Meer ist ‚einfach so‘ kaum zugänglich – und selbst, wenn man einen nicht gesicherten Zugang findet, wird man sich hinterher wünschen, man hätte den Weg über eines der Hotels oder Resorts gewählt, die Duschen zur Verfügung stellen.

So fuhren wir also zum Eingang der Anlage mit dem klangvollen Namen O Beach, die mit einem Infinity-Pool warb. Weniger klangvoll war der Preis, den wir zahlen sollten: Happige 25 JD pro Person wurden für den Eintritt verlangt – und dafür war nicht einmal Essen inklusive! Auch Mitgebrachtes sollte draußen gelassen werden. Nachdem wir auf diese Ankündigung hin demonstrativ all unsere Snacks vor dem Einlass ausbreiteten und lautstark verkündeten, dass wir unter solchen Umständen alles vorher aufessen würden, wurden wir schnell durchgewunken und durften immerhin Brot, Obst und Wasser mitnehmen.

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Der Infinity-Pool und das Meer

Nur Fliegen ist schöner

Der Ausblick hingegen entschädigte für die Unannehmlichkeiten zu Beginn des Ausflugs: Die Spiegelung der israelischen Bergkette im Wasser war einfach umwerfend, sodass wir direkt zum Ufer liefen. Voll kindlicher Begeisterung warfen wir uns in die salzhaltigen Fluten und – welch eine Überraschung – trieben sofort an die Oberfläche. Als hätten wir erwartet, dass alle Reiseführer dieser Welt ihre Leser belügen, waren wir absolut erstaunt darüber, wie ein Blatt Papier obenauf zu schweben. Dementsprechend ließen wir es uns auch nicht nehmen, ein paar typische Touristenfotos zu schießen (man beachte meine geschickte Lektüreauswahl):

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Hörsturz am Ende der Welt

Nachdem wir uns noch mit dem heilenden Totes-Meer-Schlamm eingerieben hatten, keine Wirkung feststellen konnten und ihn anschließend wieder abspülten, wollten wir uns oben an den Pool legen und am gefühlten Ende der Welt entspannen. Doch von Erholung keine Spur: Aus zahlreichen Boxen wurden wir mit zwei verschiedenen ‚Gute-Laune-Songs‘ parallel beschallt und das in einer Lautstärke, die weder Lesen noch Schlafen erlaubte. Also wuschen wir das übrige Salz im Infinity-Pool ab, genossen erneut die Aussicht und – Überraschung! – machten ein paar weitere Instagram-Fotos. Die Szenerie war (abgesehen von der Musik) aber auch zu idyllisch und schön, um nicht ein paar Erinnerungen festzuhalten:

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Nach knapp 5 Stunden Aufenthalt entschlossen wir uns, den Rückweg anzutreten und damit unserer Haut einen Gefallen zu tun, denn das Salz ließ sich im Pool nur mäßig abwaschen und klebte unangenehm. Und so fuhren wir, überhitzt und zumindest halbwegs entspannt, zurück nach Amman, mit schönen Erinnerungen im Kopf und Salzgeschmack im Mund.

Verena empfiehlt:

» Wie wir erst bei der Anreise erfuhren, ist der Eintritt in das Resort O Beach unter der Woche deutlich billiger als am Wochenende! Wer flexibel in seinem Besuch ist, sollte das berücksichtigen.

» Die Temperaturen am Toten Meer liegen weit über jenen in Amman, insofern sollten Sonnencreme und gegebenfalls ein Hut mitgenommen werden.

» Der gesunde Menschenverstand sagt es einem zwar, aber der ist ja nicht rund um die Uhr aktiv: Vor dem Besuch des Toten Meeres sollte man sich keinesfalls rasieren und auch keine Mückenstiche aufkratzen! Das Salz wird sowieso schon genug Schnitte und Kratzer offenbaren, von denen man bis dahin nichts wusste.

 

Habt ihr auch lustige Fotos vom und Erinnerungen ans Toten Meer? Hinterlasst mir eure Geschichten doch in den Kommentaren 🙂

 

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