Sorrent, Italien | Die etwas andere Klassenfahrt

Es ist bereits einige Jahre her, dass ich mit dem Lateinkurs unseres Gymnasiums die Fahrt nach Sorrent in Italien unternommen habe… Ohje, wie das klingt!

Verena wandert:

Alt bin ich geworden. Aber es stimmt schon – es ist jetzt fast 5 Jahre her, dass wir an dieses schöne Fleckchen Erde gefahren sind (deshalb erspare ich euch auch Fotos, auf denen wir Schüler und Schülerinnen zu sehen sind – die Teenagerjahre waren schon nicht ohne!). Zwischen unserem Städtchen bei Düsseldorf und dem Ort am Golf von Neapel lag jedoch zuerst einmal eine endlos lange Busfahrt. Irgendwie brachten wir diese hinter uns – im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, wie genau, aber wir taten es.

Aller Anfang ist schwer

Am ersten „richtigen“ Tag war direkt Programm angesagt: Zuerst ging es nach Pompeii, zur viel besungenen und beschriebenen Stadt, die bei einem Ausbruch des Vesuvs unter Tonnen von Asche und Bimsstein begraben und auf diese Weise konserviert wurde. Die Geschichte Pompeiis hatte mich fasziniert, seit ich davon gehört und Plinius‘ Briefe im Lateinunterricht mühselig übersetzt hatte. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen – und wurden recht schnell enttäuscht. Auch im Nachhinein kann ich nicht ausmachen, woran es gelegen hat, dass mich Pompeii nicht begeisterte.

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Der nächste Tag war für mich persönlich der langweiligste Teil der Reise: Es ging nach Paestum. In Paestum gibt es Tempel – wobei das so nicht ganz stimmt, schließlich sind es die Ruinen von Tempeln. Viel mehr bleibt mir dazu eigentlich kaum zu sagen, auch wenn ich bei der nachträglichen Betrachtung meiner Fotos doch ein wenig erstaunt über meine negativen Erinnerungen bin. Schließlich haben die Ruinen doch etwas durchaus Imposantes an sich, oder?

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Von der Unterwelt in die Hölle

Wie um den vorangegangenen Tag wettzumachen, bot der nächste einen wunderbaren Ausflug: Es ging mit der Circumvesuviana nach Neapel! Die Bahn fuhr uns zügig von Sorrent zu der Stadt, von der ich heute noch schwärme. Vorab wurde ich gewarnt; die Stadt sei dreckig und chaotisch und man müsse gut auf seine Handtasche aufpassen. In Neapel angekommen war all das augenblicklich vergessen: Als wir uns durch die engen, von Street Art verzierten Gassen schlängelten und die geregelte Unordnung in den Straßen bestaunten, da war es um mich geschehen. Eine Stadt, irgendwo zwischen verrucht-verroht und charismatisch-lieblich. Auf der einen Seite die Arkaden „Galleria Umberto I“ und der „Duomo di Santa Maria Assunta“, auf der anderen Seite die zahllosen Straßenhändler mit gefälschten Portemonnaies und halb zerfallene Gebäude, deren sich ablösende Wandfarbe den Eindruck einer sich häutenden Echse entstehen lässt.

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Der oberirdische Teil unserer Stadtführung ging an einem gewissen Punkt zu Ende und wir wurden in die Unterwelt Neapels getrieben. Das ist in diesem Falle wörtlich zu nehmen, wir besichtigten nämlich die Stadt unter der Stadt, Napoli sotterranea. Ein ebenfalls beeindruckender Ausflug, der den Halbtag in Neapel zu einem gelungenen Abschluss brachte. Trotz der Kürze der Zeit wird mir Neapel wohl noch lange so gut in Erinnerung bleiben, und ich hoffe, unser Wiedersehen lässt nicht zu lange auf sich warten!

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Später am Tag ging es dann weiter von dieser Perle Fuße des Vesuvs zum Vulkan Solfatara. So viel sei gesagt: Auf Bildern, auf denen wir Menschen zu sehen waren, halten wir uns alle Taschentücher vor Mund und Nase. Der Schwefelgeruch dort war wirklich intensiv und schmälerte diese interessante Erfahrung leider ein kleines bisschen. Die aufsteigenden Rauchfahnen und die grau-gelbe Landschaft boten jedoch ein vollkommen surreales Bild und erweckten den Eindruck, wir seien in der Hölle angekommen, sodass auch diese Station eine Erinnerung ist, die ich nicht missen möchte.

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Der mächtige Vesuv – damals und heute

Der nächste Tag bot dann ein erneutes Highlight: Am Vormittag stand die Besteigung und Besichtigung des Vesuvs an, was anfangs einigermaßen schweißtreibend und – oben angekommen – sehr windig war. Die Sicht war jedoch einmalig und zu wissen, dass man auf einem noch aktiven Vulkan steht, war einfach wahnsinnig. Wenn einem der Fremdenführer jedoch berichtet, dass Experten damit rechnen, dass der Vesuv in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten wieder ausbricht, wird einem doch etwas mulmig zumute – insbesondere mit Blick in Richtung Neapel.

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Was würde geschehen, sollte der Vulkan wirklich ausbrechen? Könnte die Millionenstadt rechtzeitig evakuiert werden, oder würde sie sich mitsamt ihrer Einwohner in ein modernes Pompeii verwandeln? Ein schauriger Gedanke. Wie man so unmittelbar neben einer derart drohenden Gefahr wohnen konnte, war mir aus der Ferne immer schleierhaft gewesen – bis ich dann Neapel erlebt hatte. Doch anstatt mich in diese Szenarien zu vertiefen, genoss ich die Sicht und die Atmosphäre.

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Noch am selben Tag fuhren wir weiter nach Herculaneum. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Ort, der beim Ausbruch des Vesuvs im Jahre 79 verschüttet wurde und auf diese Weise unterging. Gerade weil ich mir – im Gegensatz zu Pompeii – keine besonderen Vorstellungen dazu gemacht hatte, war ich extrem beeindruckt. In Herculaneum kam in mir das Gefühl auf, das ich in Pompeii erwartet hatte: Der Eindruck, durch eine Stadt zu wandern, die zwar unter tragischen Umständen unterging, aber trotzdem irgendwie eine Stadt blieb. So zynisch diese Formulierung klingen mag: Die Stadt hatte etwas ungemein Lebendiges an sich.

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Bella Italia

Der nächste Tag stellte schon den finalen Ausflug in der Region Sorrent dar, und er war ein goldener Abschluss für die herrliche Zeit: Es ging nach Capri, eine traumhafte Insel, umgeben vom türkisen Meer mit hinreißenden kleinen Gassen und lauschigen Plätzen, die einfach zum Wohlfühlen einlud. Nach der Villa Jovis und anderen pflichtgemäßen Besichtigungen durften wir die Insel dann selbst erkunden. Dies taten wir, indem wir ziellos durch die Straßen schlenderten, Fotos von farbigen Blüten vor weißen Häuserfassaden schossen und das Meer in seinem vollen Blau betrachteten.

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Zum Glück war dies nicht die allerletzte Station auf unserer Reise, denn der Rückweg mit dem Reisebus führte uns über Rom – das konnten wir uns doch nicht entgehen lassen! Unsere Route führte uns vom Kolosseum über Forum Romanum, das Pantheon und den Petersdom zum Trevi-Brunnen und zur Spanischen Treppe. Wer danach noch Kraft hatte, konnte noch einkaufen gehen oder ein Eis essen – anschließend fielen wir alle einigermaßen erschöpft in den Bus. Dieser Besuch rundete die Fahrt mehr als gelungen ab, auch wenn ich an dieser Stelle das erwähnen muss, was ich in mündlichen Erzählungen stets geflüstert habe: Die ewige Stadt hat mich fasziniert und begeistert – doch hätte ich die Wahl, so würde ich stets nach Neapel zurückkehren!

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Verena empfiehlt:

» Wir wohnten auf dem Campingplatz Villaggio Santa Fortunata in Sorrent in kleinen Bungalows. Das Nötigste zum Leben gab es dort, außerdem verfügte der Campingplatz über einen Swimmingpool und auch der Zugang zum Meer war nicht weit. In die Stadt Sorrent musste man einige Zeit laufen:  Villaggio Campeggio Santa Fortunata Campogaio // Via Capo 39 // 80067 Sorrento

» In Italien gibt es das sogenannte „coperto“, das zwar recht bekannt ist, an dieser Stelle aber dennoch erwähnt werden soll: Dabei handelt es sich um einen kleinen Betrag, der stets auf den Preis der Speisen aufgerechnet wird. Er ersetzt auf diese Weise das (in Deutschland optionale) Trinkgeld. Dies sollte man stets im Hinterkopf haben!

 

 

Noch heute bin ich meiner Schule dankbar, uns diese einmalige Reise geboten zu haben – und zum Zeichen meiner Wertschätzung hier noch das obligatorische Klassenfahrts-Foto:

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Hat jemand von euch schon einmal die Region um Sorrent bereist – und wenn ja, wie fandet ihr es?

[Reisezeitpunkt: September 2010]

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