Dubai, V.A.E. | Wieso mich Dubai nicht überwältigte

Dubai wird ja recht gern „Stadt der Superlative“ genannt, und das nicht zu Unrecht. Trotzdem hat mich Dubai nicht übermäßig begeistert – und mich gleichzeitig in einer Hinsicht geprägt, die sich bis heute auswirkt.

Verena wandert:

Ich muss Dubai eines zugutehalten: Ich habe verdammt schlechte Voraussetzungen für unseren dreitätigen Trip mitgebracht. Mein Freund und ich kamen gerade aus Melbourne, der schönsten Stadt der Welt – unser Abenteuer in Australien war endgültig vorbei – ich musste mich von meiner Gastfamilie verabschieden – ich war tierisch gejetlagged – es war viel zu heiß. Und Dubai hatte den undankbaren Job, zwischen einem unglaublich traurigen Abschied und einem lang ersehnten Wiedersehen zu stehen.

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Willkommen in Dubai!

Als wir um circa halb sechs Uhr morgens in Dubai landeten und aus dem Flugzeug ausstiegen, dachte ich anfangs noch, die Hitze käme von den Triebwerken des A380, der uns sicher von MEL nach DXB gebracht hat. Spätestens als wir den Flughafen verließen, realisierte ich, dass das ein Irrtum war. An dieser Stelle sei gesagt, dass es einigermaßen naiv von mir war, Ende August in Dubai etwas anderes als 40 Grad zu erwarten – ganz ehrlich.

Vom klimatisierten Flughafen ging es dann fünf schweißtreibende Meter zum Taxistand, wobei man uns anfangs dazu überreden wollte, eine der schwarzen Luxuslimousinen zu nehmen, während andere Touristen in ganz reguläre Taxis stiegen. Um nicht ewig lange Diskussionen führen zu müssen, tat ich so, als hätte uns jemand einen unfassbar günstigen Preis für die Fahrt versprochen, woraufhin unser Fahrer in Rage geriet und seinen Kollegen anbrüllte, warum er die Fahrten als so billig anpreise. In dem Durcheinander schlüpften wir einfach aus der Tür, nahmen uns ein normales, billiges Taxi und ab ging es ins Hotel.

Dort wartete bereits die erste Herausforderung auf uns: Ungeduscht, übermüdet und ausgelaugt wollten wir uns einfach nur auf unser gemütliches 5*-Doppelbett werfen (nach einem halben Jahr im Auto gönnten wir uns ein bisschen was). Aber wir hatten nicht an die Check-In-Zeiten gedacht, die überraschenderweise nicht um 7 Uhr morgens beginnen. Trotzdem schien der Empfangschef keineswegs überrascht und nach einer vergleichsweise kurzen Wartezeit durften wir dann unser herrliches Zimmer beziehen. Dort überkam mich auch schnell eine schmerzhafte Sehnsucht nach Melbourne und ich beschloss, diese mit einem Dubai-Spaziergang zu kurieren. Als Ziel suchten wir uns das Bastakia-Viertel heraus, was durch eine gewisse Ursprünglichkeit bestechen sollte. Außerdem war es ja ‚gar nicht so weit‘ von unserem Hotel entfernt.

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Obwohl das Viertel in der Tat eine angenehme Atmosphäre hatte, brachte mich dieser ‚kurze‘ ‚Spaziergang‘ an meine absolute Grenze. Die Hitze machte mir derart zu schaffen, dass ich zwischenzeitlich das Gefühl hatte, mich erst übergeben und dann kollabieren zu müssen. Daraufhin entschieden wir uns, von nun an die klimatisierten Taxis oder die ebenfalls klimatisierte Metro als Verkehrsmittel zu nutzen.

Das Dubai-Intensivprogramm

Da unsere Zeit einigermaßen knapp bemessen war, beschränkten wir uns in puncto Sehenswürdigkeiten auf die absolut typischen Touristen-Sehenswürdigkeiten. So verschlug es uns unter anderem vor das Hotel Atlantis – The Palm (einfach, um es gesehen zu haben)…

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… zum Burj Al-Arab…

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… in die Mall of the Emirates und die Dubai Mall…

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Das Aquarium, welches wir lediglich von außen betrachtet und nicht besucht haben, fand ich gar nicht lustig – es sah aus, als seien viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum beheimatet! Dort wäre ich nicht gern Fisch

… und natürlich auf den Burj Khalifa!

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Ich gestehe: Das höchste Gebäude der Welt hat mich beeindruckt. Die Sicht von oben ist gigantisch und auch von den Konstruktionsphasen zu erfahren, ist spannend. Es bieten sich tolle Perspektiven auf die Stadt. Dennoch macht sich dort oben besonders bemerkbar, dass es sich bei Dubai um eine Wüstenstadt handelt; ein leichter Sanddunst scheint sanft über der ganzen Stadt zu hängen. Trotzdem hatten wir eine ganz gute Sicht, und für diejenigen, die Pech haben, stehen dort oben auch kostenlose Ferngläser mit großem Display zur Verfügung, mit vier verschiedenen Modi – die aktuelle Live-Sicht, die abgefilmte Tagessicht, die abgefilmte Nachtsicht, und die „historische“ Sicht.

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Und genau bei der Sicht durch die Ferngläser liegt der Hund begraben: Mir war vor Antritt der Reise bewusst, dass wir eine künstliche Oase von gigantischen Ausmaßen betreten würden, und auch, als wir uns innerhalb der Stadt bewegten, konnten wir manchmal nur den Kopf schütteln über all die großen, glänzenden Gebäude an Stellen, an denen sich eigentlich nur Sandkörner befanden. Doch in dem Moment, als ich den Unterschied ‚historische Sicht‘ – ‚momentane Sicht‘ betrachtete, fing ich besonders an, mir Gedanken zu machen. Wie lässt sich ein derartiger Aufenthalt mit meinem ‚ökologischen Gewissen‘ vereinbaren? In einem Land, in dem Wasser ein wertvolles Gut ist, baut man Skihallen und Pools, als gäbe es kein Morgen mehr, um ein Freizeitvergnügen zu schaffen, das sich in klimatisch geeigneten Ländern ohne eine derartige Energie- und Wasserverschwendung genießen lässt. Mir stellte sich unweigerlich die Frage: Muss das sein? Ich will nicht so tun, als wäre ich die umweltbewussteste Reisende, die es gibt, und ich will ganz sicher nicht Moralapostel spielen, aber ich kann nicht leugnen, dass mich der Gedanke verfolgt hat. Mit unserem Aufenthalt wurde mir bewusst, dass die ganze Stadt im Grunde ein einziger großer Wahnsinn ist. Das hat mir zwar nicht endgültig die Freude verdorben, aber mich doch etwas ins Grübeln gebracht. Diesen Gedankengang möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen, wollte ihn aber auch nicht verschweigen.

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Die Stadt im Sand

Nichtsdestotrotz genossen wir unsere Zeit in Dubai und hatten dank des Autoverkaufs in Melbourne endlich wieder ein wenig Geld zu Verfügung. Dennoch lief es nicht auf einen großartigen Shopping-Trip hinaus – schließlich galt für unseren Heimflug nach Düsseldorf ebenfalls die heilige 30kg-Grenze! Stattdessen betätigten wir uns eifrig im Window Shopping, staunten uns in einigen Läden die Augen aus dem Kopf und bewegten uns viel innerhalb der Stadt. Dazu sei gesagt, dass die klimatisierten, bequemen Taxis in der Tat ein praktisches und vergleichsweise günstiges Verkehrsmittel darstellen, jedoch hatten wir unseren Spaß daran, die Dubai’sche Metro zu nutzen. Obwohl das Netz mit zwei Linien relativ klein ist, erreicht man die für Besucher wichtigsten Punkte. Verblüffend ist dabei, dass die U-Bahnen vollkommen fahrerlos unterwegs sind!

 

Insgesamt war Dubai definitiv eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Wie eingangs angedeutet, hat mich der Besuch vor allem in einer Hinsicht bestärkt, und zwar in der, dass ich Arabisch lernen wollte – ein Wunsch, der erstmals nach unserer Ägyptenreise in mir aufkeimte und in Dubai verstärkt wurde. Da Dubai durch den weltweiten Tourismus eine sehr internationale Stadt ist und fast jeder dort zumindest die grundlegenden Sachen auf Englisch versteht, besteht im Grunde keinerlei Notwendigkeit, Arabisch zu können. Trotzdem haben mich die Straßenschilder mit den arabischen Buchstaben damals entzückt und wenn ich mir nun, anderthalb Jahre später, die Fotos angucke, finde ich es doch schön, einiges lesen und verstehen zu können.

Verena empfiehlt:

» Grundsätzlich galt zu unserer Reisezeit: Kein Hotel ist auch nur ansatzweise ausgebucht und das ist das Glück der Reisenden! Denn dementsprechend günstig kann man dann auch kurz vor knapp ein Zimmer buchen (um es konkreter zu sagen: Wir haben es am Tag vor unserer Abreise aus Australien gebucht). Dies sieht zu anderen Jahreszeiten jedoch möglicherweise anders aus. Trotzdem ermöglicht die Vielzahl an Unterkünften die Möglichkeit, richtige Schnäppchen zu machen.

» Unser Hotel war zu einhundert Prozent empfehlenswert! Die Zimmer waren luxuriös, die Betten bequem und das Frühstück einfach nur grandios. In einigen Kommentaren wurde die Lage kritisiert, aber die paar zusätzlichen Minuten in der U-Bahn haben uns keineswegs gestört. Außerdem wäre es an der großen Hauptstraße kein Problem gewesen, gegebenenfalls ein Taxi herbeizurufen: Majestic Hotel Tower Dubai // Mankhool Road // Bur Dubai

» An kulinarische Spezialitäten der Emirate haben wir uns in unserer Zeit nicht herangewagt, sondern uns auf gut bekannte (Fast-Food-)Ketten verlassen. Diese gibt es in jeder größeren Mall. Aber auch im Supermarkt gibt es essentielle Snacks, die wir höchst illegal auf unser Zimmer geschmuggelt haben 🙂

» Bitte die Hitze nicht unterschätzen! Ich habe am ersten Tag die bittere Erfahrung gemacht, dass mit den Temperaturen im Hochsommer nicht zu spaßen ist – es ist schließlich kein Wunder, dass sich am Mittag und auch am Nachmittag kaum noch jemand auf den Straßen aufhält.

» Wer den Burj Khalifa besuchen möchte, sollte die Tickets unbedingt vor Antritt der Reise oder direkt am ersten Tag in Dubai kaufen – spontan an der Kasse sind nur selten noch welche für die aktuelle Stunde zu erstehen!

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