Aqaba, Jordanien | Unten hui, oben pfui

Betrachtet man Aqaba aus der oberirdischen Perspektive, so hat die Stadt am roten Meer auf den ersten Blick nicht viel zu bieten: Ein sandfarbener, kleinstädtischer Ort mit maximal mittelmäßigen Stränden an der nur 27 Kilometer langen Küstenlinie Jordaniens. Aber wagt man einen Blick unter die Wasseroberfläche auf die Korallenriffe des roten Meers, entdeckt man eine ganz erstaunliche neue Welt.

Verena wandert:

Noch etwas übermüdet stolperten wir um kurz vor acht Uhr morgens in den JETT-Bus, der uns innerhalb von Amman nach Aqaba befördern sollte. Wie versprochen stiegen wir wenige Stunden und Sicherheitschecks später in der Stadt am roten Meer aus. Die Sicht auf das blaue Wasser belebte unsere Geister dann auch tatsächlich und nachdem wir diverse Sprachhürden übersprungen hatten, fanden wir uns in unserem gemütlichen und bunten Hippie-Hotel wieder. Dort hielt es uns jedoch nicht lange – wir wollten die berühmten Riffe von Aqaba sehen!

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Lass uns zum Strand – du weißt, welchen ich mein‘

Mit Schnorchelausrüstung bewaffnet legten wir voller Vorfreude die wenigen Meter bis zum Sand zurück. Am Ziel dann endlich angekommen machte sich dann jedoch ein bisschen Enttäuschung breit: Das war der sagenumwobene Strand? Ein paar lieblos in den Sand gerammte Sonnenschirme gepaart mit jeder Menge Abfall zwischen den Sandkörnen glichen nicht dem Paradies, das wir uns erträumt hatten. Doch davon wollten wir uns nicht die Laune verderben lassen und ließen die melancholisch umherrollenden Babyfeuchttücher und Coladosen hinter uns, indem wir uns in die Fluten stürzten. Was sich da nur wenige Meter vom Ufer tummelte, war erstaunlich: Neben ausgefallenen Korallen und bunten Fischen fand man auch Seeigel, -pferdchen und -schlangen.

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Leider war es am ersten Tag ziemlich windig und die See daher aufgeraut, aber trotzdem waren wir begeistert von der Unterwasserwelt in Aqaba. Am Abend ließen wir die aufregenden ersten Stunden auf der Dachterrasse unseres Hotels mit einem Sonnenuntergang ausklingen.

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Die größte Leinwand der Welt

Am nächsten Tag warteten wir nicht lange und erkundeten fleißig weiter die Unterwasserwelt vor unserer Haustür. Dabei kam ich mir ein wenig so vor, als sei ich in einem riesigen Kinosaal gelandet und würde mir den gerade veröffentlichen Film „Findet Dorie“ auf der größten Leinwand der Welt ansehen. Leider konnte man auch regelmäßig Schnorchler dabei beobachten, wie sie sich (am besten noch Flossen tragend) auf die Korallen stellten oder sie im Vorbeischwimmen berührten. Das hat mich wahnsinnig geärgert, da an einigen Stellen des Riffs deutlich zu erkennen war, wie die Lebewesen bereits unter dem Tourismus gelitten haben. Doch je weiter man schwamm, desto schöner und vielfältiger wurde die Unterwasserwelt. Später machten wir dann noch eine kleine „Schnorchteltour“, bei der wir sogar über ein riesiges Schiffswrack hinwegschwommen, das meine Kamera kaum einfangen konnte.

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Doch auch, wenn uns die Welt über der Oberfläche weniger entzückte, als diejenige unter Wasser, muss man Aqaba doch eins lassen: Die geografische Lage der Hafenstadt ist einzigartig. Vom Strand unseres Hotels, das einige Kilometer südlich von Aqaba lag, konnte man auf die andere Seite des Meeres blicken und sich dabei nicht sicher sein, ob die Küste nun zu Israel oder Ägypten gehörte. Gleichzeitig kündigte das Straßenschild der Hauptstraße bereits an, dass Saudi-Arabien nur 10 Kilometer entfernt war.

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Nachdem uns viele Jordanier versichert hatten, man müsse nicht allzu lange in Aqaba bleiben, hatten wir nur zwei Übernachtungen für die Hafenstadt veranschlagt, sodass wir nach weniger als 48 Stunden bereits wieder aufbrachen, diesmal jedoch in Richtung Wadi Rum. Gerne hätte ich jedoch noch ein oder zwei Tage an unseren Aufenthalt drangehängt; nicht wegen Aqaba, sondern wegen der fantastischen Möglichkeiten, die Unterwasserwelt zu erkunden. Aber die JETT-Busse fahren ja täglich…

Zusätzlich zu den Fotos habe ich noch ein kleines Video zusammengeschnitten, das euch meinen Ausflug vielleicht noch lebendiger nahe bringt als die Fotos und Erzählungen:

 

Verena empfiehlt:

» Unser kuschelig-buntes Hotel trug den klangvollen Namen Bedouin Garden Village und lag recht weit außerhalb von Aqaba. Dafür hatte man die besten Schnorchel-Spots der ‚Japanese Gardens‘ direkt vor der Nase. Auch hieß es, dass die öffentlichen Strände in der Innenstadt von Aqaba für europäische Frauen wenig empfehlenswert seien, sodass wir mit unserer Lage recht zufrieden waren. Man sollte jedoch berücksichtigen, dass es dort zwar mehrere Hotels, aber keinerlei Einkaufsmöglichkeiten oder Geldautomaten gibt! Möchte man dort also mehr Zeit verbringen und nicht jeden Tag den längeren Weg nach Aqaba auf sich nehmen, sollte man sich mit ausreichend Verpflegung und Bargeld eindecken!

» Nicht erschrecken: Bei der Einreise nach Aqaba wurden an einem Checkpoint alle Pässe kontrolliert und die der Jordanier auch eingesammelt. Außerdem mussten wir unser Gepäck aus dem Koffer räumen und durchleuchten bzw. kontrollieren lassen.

» Auch wenn die JETT-Website einen anderen Eindruck macht: Unserer Erfahrung nach kommen online getätigte Reservierungen nicht an, man muss sich persönlich ins Office bemühen. Dafür war besonders das Büro in Aqaba äußerst kulant und hatte bei unseren z.T. spontanen Umbuchungen nichts zu meckern! Außerdem entspricht der Komfort der Busse dem gängigen Standard, vergleichbar mit MeinFernbus oder ähnlichen Anbietern. Und für den sagenhaften Preis von JD 7.10 pro Strecke hatten wir wirklich nichts zu meckern!

 

War jemand von euch schon einmal am Roten Meer tauchen oder schnorcheln, und wenn ja, wo? Hinterlasst mir eure Unterwasserberichte doch in den Kommentaren 🙂

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