Abu Simbel, Ägypten | Atemberaubend ist eine Untertreibung

Eigentlich möchte ich ungern Vergleiche zwischen einzigartigen Sehenswürdigkeiten ziehen. Doch in mein kleines Notizbuch schrieb ich nach dem Besuch Abu Simbels: „Die Tempel von Abu Simbel waren absolut atemberaubend – fast schöner als die Pyramiden. So etwas Beeindruckendes habe ich bislang noch nicht gesehen!“

Verena wandert: 

Vor einigen Jahren reisten wir mit der ganzen Familie nach Ägypten, wo wir erst eine Woche geführte Touren zu verschiedenen Stationen im Land machten und anschließend eine Woche Badeurlaub verbrachten. Nachdem wir in Assuan angekommen waren, bot sich die Option, einen zusätzlichen Ausflug nach Abu Simbel zu machen. Während meine Mutter und Schwester ablehnten, entschieden mein Vater und ich uns dazu, mitzufahren. Wie froh ich darüber bin!

Auf in die Wüste

An besagtem Tag standen alle Mitglieder unserer Reisegruppe, die die Fahrt mitmachen wollten, um drei Uhr nachts auf, um in den Reisebus zu steigen. Denn auch wenn Assuan bereits die südlichste (Groß-)Stadt Ägyptens ist, betrug die Fahrtzeit nach Abu Simbel von dort aus noch einmal knapp 3 Stunden pro Strecke. Im Konvoi mit zig anderen Reisebussen tuckerten wir also über eine Straße durch eine Wüstengegend – wunderschön, aber einsam. Wir genossen den Anblick des Sonnenaufgangs in der Wüste (wenn auch nur durch die Scheiben des Busses), fürchteten uns ein wenig bei der Sicht auf das Skelett eines ausgebrannten Reisebusses mitten in der Wüste, und kamen gegen 7 Uhr morgens in Abu Simbel an.

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Atemberaubend ist eine Untertreibung

Auch wenn mir vorher gesagt wurde, dass Abu Simbel zu den großartigsten Sehenswürdigkeiten des Landes gehöre, so hätte mich nichts auf den Anblick der beiden Tempel vorbereiten können. Ich war absolut überwältigt. Ehrlich gesagt habe ich beim erneuten Anblick der Fotos das Gefühl, dass sie nicht ansatzweise vermitteln können, wie unfassbar schön diese Stätte ist, aber ich will zumindest versuchen, euch zu überzeugen.

Abu Simbel besteht aus zwei Tempeln: Der große Tempel, der von und für Pharao Ramses II. errichtet wurde…

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… und der kleinere Hathor-Tempel, der Nefertari, der Gemahlin von Ramses II., gewidmet ist.

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Beide waren wunderschön, aber gerade der große Tempel verschlug mir wirklich den Atem. Ich konnte meine Augen einfach nicht abwenden und war fasziniert von den Ausmaßen der Statuen. Jedes Mal, wenn ich mich zu ihnen umdrehte, durchströmte mich erneute Begeisterung. Das mag vielleicht etwas ‚kitschig‘ klingen, aber ich hatte wirklich noch nie etwas dermaßen Beeindruckendes in meinem Leben gesehen.

Im Inneren der Tempel durfte man leider keine Bilder machen – ich habe es versucht und wurde daraufhin von der Security barsch aufgefordert, das Foto vorzuzeigen; dann musste es vor ihren Augen löschen.

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Der Gefahr entkommen

Dass man Abu Simbel heutzutage bestaunen darf, ist keineswegs selbstverständlich. Nachdem die Tempel in der Region Nubien 1813 entdeckt und bis 1870 freigelegt wurden, drohte ihnen bereits 30 Jahre später die erste Gefahr: Die Staumauer von Assuan wurde gebaut und ließ das Wasser derart ansteigen, dass die am Westufer des Nils erbauten Tempel in einer bedrohlichen Situation waren. Doch als in den 1950ern überlegt wurde, einen neuen Staudamm zu bauen, wurde die Lage richtig dramatisch: Der Wasserpegel hätte die Tempel überflutet und dieses atemberaubende Zeugnis der Geschichte verschluckt.

Deshalb entschlossen die ägyptische Regierung und die UNESCO, die Tempel zu retten: In einer groß angelegten Aktion arbeiteten internationale Unternehmen zusammen und zersägten die Tempel in über tausend Steinblöcke, die je zwischen 20 und 30 Tonnen wogen. Diese Quader wurden daraufhin nummeriert und auf einer Hochebene wieder zu den beiden Tempeln zusammengesetzt. Dabei wurde die ursprüngliche Lage und Ausrichtung berücksichtigt. 1967 waren die Arbeiten dann beendet und die Tempel waren wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

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Nach drei Stunden Aufenthalt machten wir uns auf den Rückweg und mit uns sämtliche andere Reisebusse – der große Parkplatz war plötzlich wie leergefegt. Ich wäre gerne noch geblieben, doch die Hitze machte sich um die Mittagszeit natürlich bemerkbar, sodass der klimatisierte Bus auch eine willkommene Abwechslung war.

Verena empfiehlt:

» Im Zuge unserer gebuchten Reise übernachteten wir im äußerst noblen Mövenpick Hotel in Assuan. Alles war ganz hervorragend, es gab ein reichhaltiges Buffet und der Infinity-Pool zeigte direkt auf den Nil hinaus. Auch von den Zimmern konnte man in beide Richtungen auf den wunderschönen Fluss blicken, da sich das Hotel auf einer kleinen Insel befindet: Mövenpick Assuan // Elphantine Island // Aswan Governorate 81111

» Abu Simbel ist die einzige Stätte, von der ich einen kleinen Katalog mit Fotos und zusätzlichen Informationen gekauft habe. Diese werden rund um die Stätte von verschiedenen Händlern angeboten. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, welcher Ort einem so gut gefällt, dass man so etwas kauft, aber ich bin froh, etwas zu haben, in dem ich über die Tempel nachlesen kann.

 

Der Ausflug nach Abu Simbel war jede Sekunde wert – ich hoffe, ich werde noch einmal im Leben das Glück haben, diesen unglaublichen Ort besuchen zu dürfen! Wart ihr schon einmal bei diesen magischen Tempeln? Was waren eure Highlights in diesem wunderschönen Land am Nil?

 

[Reisezeitpunkt: Oktober 2012]

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